Von Rivera führt uns die steile Seilbahn zum Ausgangspunkt der heutigen Wanderung. Als wir an der Reihe sind, steigen wir in die Gondel und lassen das Rauschen des Verkehrs, das Piepen des Smartphones und die Gedanken an den Alltag hinter uns. Seit Tagen habe ich auf diesen Moment gewartet; ich habe alles genau geplant. Während der Fahrt rückt die Kirche Santa Maria degli Angeli des Tessiner Architekten Mario Botta immer näher. Nach rund zehn Minuten erreichen wir die Alpe Foppa. Die Türen öffnen sich und ich habe wieder festen Boden unter den Füssen. Es kann losgehen. Vor uns zeichnet der Grat eine helle Linie zum Horizont. In den nächsten fünf Stunden werden wir zwischen Himmel und Erde wandern.
Die erste Etappe führt zum Gipfel des Monte Tamaro. Das Lachen der Kinder, die sich auf der Rodelbahn vergnügen oder die Zipline herunterflitzen wird immer leiser. Der Weg ist breit und gut ausgeschildert. Je weiter oben wir sind, desto grossartiger ist das Panorama. Ich sehe wieder die Kirche, die neu eröffnete Bergstation, den Bergsee, in dem sich die vorbeiziehenden Wolken spiegeln. Wenig später erscheint die Capanna Tamaro. Als wir dort ankommen, sehen wir das weite Tal des Bellinzonese mit seinen Dörfern und Feldern. Ich halte inne. In der Ferne entdecke ich drei bekannte Umrisse. Das muss die Festung von Bellinzona sein. Etwas weiter oben sehe ich das Gipfelkreuz des Monte Tamaro.