Geschichte: Ein Gespräch mit dem Architekten Guido De Sigis

Im Zeichen des Wandels

Ein Kunstschatz vor den Augen der ganzen Welt: von den ältesten historischen Funden bis zu den modernsten Werken. Ein Architekt zeigt sein Lugano.

Mit Stadtrundgängen durch Lugano will das istituto internazionale di architettura i2a den kulturellen Reichtum der Stadt hervorheben und die urbane Entwicklung in zwei Jahrhunderten aufzeigen. Zeitgenössische Baustile und moderne Street Art zeugen von einer lebendigen Stadt, die sich immer weiterentwickelt. Eine Tour mit Experten.

DAS IST

Guido De Sigis, Architekt

Guido De Sigis, Architekt
Wir zeigen Dinge von der Stadt, die eigentlich jeder vor Augen hat.

Lugano ist eine Stadt mit wunderschöner Landschaft, sie gilt aber auch als Brücke zwischen den Kulturen. Hier trifft alpiner Raum auf mediterranes Ambiente, bäuerliches Leben auf Urbanität und Tradition auf Fortschritt. Alle Einflüsse spiegeln sich im Stadtbild wider, wo Renaissance mit Moderne verschmilzt und Urban Art des 19. Jahrhunderts der Street Art unserer Zeit gegenübersteht. 

Namhafte Tessiner Architekten haben in Lugano gearbeitet und das Stadtbild mitgeprägt, das für seine zeitgenössische Architektur international bekannt ist. Lugano zeigt sich im ewigen Wandel, das Leben steht nie still. Tourismus, Finanzplatz – die Zeiten bringen neue Herausforderungen mit sich. Das zeichnet sich ab: im Baustil, in der Expansion, in der Kunst. 

Das Internationale Architekturinstitut i2a organisiert Stadtrundgänge, bei denen Architekten durch Lugano führen und die Zeugnisse dieses Wandels aufzeigen. Guido De Sigis, Architekt und Dozent an der Kunstgewerbeschule CSIA, ist einer von ihnen. 

DIE GANZE GESCHICHTE


Lugano

Leidenschaft ist die Triebfeder, die den Architekten Guido De Sigis bewegt, Touristen durch die Stadt zu begleiten. So wie alle Kollegen des Instituts i2a, deren Leiterin, Ludovica Molo, übrigens auch Präsidentin des Bundes Schweizer Architekten ist. Sie verstehen es als ihre Mission, auf den architektonischen Reichtum Luganos aufmerksam zu machen.

Der Rundgang führt durch die Stadtentwicklung der letzten beiden Jahrhunderte, von der Romantik bis zur Moderne, zu Orten einzigartiger Architektur und Kunst, die zum Zeitpunkt ihrer Entstehung neuartig waren. Dazu gehören auch aktuelle, innovative Landschaftsprojekte, wie an der Mündung des Cassarate.

Lugano

Die Tour dauert 2.5 Stunden bis 3 Stunden. Um alles zu zeigen, wären wohl 20 Tage nötig.

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Angenommen ein Besucher hat nur ganz wenig Zeit. Wo würden Sie hingehen?

«Nur ein Ort? Ich würde die Fussgängerverbindung zwischen der Via Pretorio und Via Pioda wählen! Dort gibt es unter anderem eine Wandinstallation der Künstler Gysin & Vanetti, die auf den ersten Blick gar nicht auffällt. Es handelt sich um eine Serie abgewandelter Verbotsschilder, weisse Kreise mit schwarzem Strich, die auf der Mauer des Palazzo Pretorio, dem Gerichtsgebäude und Standort der Kantonspolizei, abgebildet sind. Ich finde das Projekt sehr gelungen.»

Als Architekten ist es unsere Pflicht und Mission, das künstlerische Kulturgut bekannt zu machen.

Das Quartier ist nicht unbedingt die typische Postkarten-Ansicht Luganos, oder?

«Das stimmt. Darum geht es auch nicht. Dieses Viertel ist architektonisch hochinteressant und zeigt viele Besonderheiten Luganos. Es gibt dort einen der drei Palazzi Riva aus dem 18. Jahrhundert. An der Via Pretorio stehen der Palazzo Ransila von Mario Botta aus dem Jahr 1985 und der Palazzo Macconi von Livio Vacchini aus den 1970ern. In der Via Pioda finden wir das Cinema Corso des Tessiner Architekten Rino Tami aus den 50er Jahren.»

Lugano
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«Das Gerichtsgebäude von Architekt Bruno Bossi zeigt wiederum den Brutalismus der 1960er, abgeleitet von béton brut, Sichtbeton.»

Lugano
Pro tip
Kulturell eine der wichtigsten Adressen der Schweiz. LAC Lugano Arte e Cultura bietet Auftritte der Compagnia Finzi Pasca und des Orchestra della Svizzera italiana.
Architektur oder Streetart? Beides! Lugano bietet Fans dieser Themen die Möglichkeit verschiedener begleiteter oder Solo-Touren.
Sie müssen sich nur entscheiden!
Der Campus der Accademia di architettura in Mendrisio ist architektonisch mit seinen neoklassischen und modernen Gebäuden, wie der Bibliothek von Mario Botta, sehr interessant.
Lugano

Aber was hat Lugano, was andere Städte nicht haben? In Lugano wurden immer wieder neue Trends in der Architektur gesetzt, gerade in den vergangenen Jahrzehnten. Wir haben das Glück, dass viele Maestri hier gearbeitet haben: Mario Botta, Aurelio Galfetti, Livio Vacchini. Besonders Ende der 1980er Jahre schafften sie einen lokalen Architekturstil, mit dem sie die funktionale Bauweise der Vorjahre überwanden. Sie entwickelten ihre eigene Handschrift und kombinierten Funktionalität mit künstlerischen Elementen. So wie Botta runde Fenster entwarf. Oder Livio Vacchini seine Projekte auf abstrakten geometrischen Figuren basieren liess. 

Die Architour konzentrieren Sie sich auf zeitgenössische Architektur und zeigen Sie auch klassische Punkte. Die Tour beginn vor dem Rathaus. Der Weg führt uns auch an den See und in den Parco Ciani zur Renaissance. Der Stadtkern hat sich im Verlauf der Geschichte stark verändert, wandelte sich bis 1900 vom Fischerort zur Tourismusdestination. Doch auch danach, um 1940, gab es radikale Veränderungen. So wurde das Quartier Sassello, der alte Stadtkern, vollständig abgerissen und neu konzipiert. Ein unglaubliches Projekt, das heute nicht mehr denkbar wäre.

Lugano
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Die Stadt ist immer im Wandel und dazu gehört auch Kunst jüngeren Datums, so genannte Street Art.

Lugano
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Sind das spontan entstandene Graffitis?

«Nein, einen Banksy haben wir hier nicht. Bei den Wandgemälden an vielen Orten der Stadt handelt es sich um Auftragsarbeiten. Dafür konnte die Stadt in den vergangenen Jahren interessante Künstler anwerben. Die ersten Arbeiten entstanden im Jahr 2010, einige im Zusammenhang mit dem LongLake Festival. Sie ebneten den Weg für neue Kunst im öffentlichen Raum, die erst einmal Akzeptanz in der Bevölkerung finden musste.»

Unter den neuen Bildern gibt es geniale Beispiele. Als Künstler sind Nevercrew international bekannt, Tessiner, die sich meist Umweltthemen widmen. Aber wo kann man noch mehr dieser Wandbilder anschauen? An vielen Gebäuden, vor allem zwischen Lido und Universität. Auch der Fussgängertunnel im Stadtteil Besso am Bahnhof ist regelmässig Schauplatz von Installationen.

Lugano
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Es kommen immer wieder neue Street Art-Werke dazu. Und vielleicht inspiriert es junge Menschen. Die Stadt hat noch viel Fläche zur Verfügung für künstlerischen Ausdruck.

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«Wir wollen, dass man versteht, dass die Innenstadt ein aktuelles Zentrum ist.»

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