Geschichte: Im Kajak auf dem Luganersee

Von einer Seeseite zur anderen

Versteckte Plätze zwischen Lugano und Gandria im Kajak entdecken.

Ab der Bucht von Lugano, per Paddelschlag, lassen sich wahrhaft eindrückliche Plätze entdecken, die den Augen der Besucher sonst verborgen bleiben. Eva nimmt uns mit an Bord, nach Gandria und auf die gegenüberliegende Seeseite, wo heute einladende Grottos warten. Zwischen den Wellen tauchen Erinnerungen auf.

DAS IST

Eva Antonini, auf Wellenlänge mit Kunst und Panorama

Eva Antonini, auf Wellenlänge mit Kunst und Panorama
Frühmorgens und abends, das ist der beste Moment für eine Ausfahrt. Der See ist spiegelglatt, noch nicht aufgewühlt von den Motorbooten oder einer Brise, da ist die Natur noch entspannt.

«Haaallo! Bleibt doch mal stehen, ja, ihr im Kanu! Ich möchte das auch mal probieren, könnt ihr mir sagen, wo?» Genauso fing es an, vor 6 Jahren, mit einem Pfiff und dieser Frage. Und seither sind Eva und ihr Kajak unzertrennlich.

Damals war sie im Lido di Lugano, auf dem Bootsteg, der beste Platz gleich neben dem Bademeister. Die 2 Paddler kamen gerade von einer Tour zurück und waren auf dem Weg ins Bootshaus. Nur ein paar Wellenschläge entfernt, auf dem herrlich glatten Ceresio, wie der Luganersee auch genannt wird. Das war Evas Gelegenheit, fasziniert starrte sie auf die elegante Bewegung, das fast lautlose Eintauchen der Paddel in den See. Dieser Gleichklang zwischen den Paddlern fasziniert und entspannt schon allein beim Zusehen. Doch dabei wollen wir es nicht belassen. Geht schon, Eva, das muss probiert werden!

Eva ist eine Künstlerin. In Lugaggia, einem Ortsteil von Capriasca befindet sich ihr gerade neu eröffnetes Atelier, voller Skulpturen, mitten im Grünen. Eva macht Statuen, Körper, Köpfe und Masken aus Ton. Sie ist tief verbunden mit der Erde, mit ihrem Tessin, ihr Kanton, den sie liebt und der sie inspiriert.

Immer schon wollte sie Kunst machen, hat vieles probiert, aber erst nach dem Jahr 2000 hatte sie verstanden, was sie verändern wollte. Sie wechselte zu Ton, ein für sie bis dahin noch unerprobtes Material für ihre Kunstwerke. Es vermittelte ihr Kraft und Leidenschaft. Es war wie eine Erleuchtung. 

 

Eva ist hungrig, aber nicht nur nach Kreativität und Kunst, auch vom Tessin, seinen zahlreichen Möglichkeiten sich zu bewegen und es zu erforschen, kann sie nicht genug kriegen.

Gemeinsam mit ihrem Mann lässt sie nichts unversucht: Mountainbike, Jogging, Kajak im Sommer und Langlauf im Winter, was darf es sein? Alles kräftefordernde Sportarten, auch das Kajak. «Ganz besonders wenn wir den ‘Kajakwurf’ praktizieren,» lacht Eva. «So nennen wir den ungewöhnlichen Transport unseres Kajaks vom Depot zum Bootssteg.»

Nicht ganz ohne, aber wenn sie dann über den samtweichen Wasserspiegel gleiten, die Ruhe und Idylle des Sees geniessen, sind diese Mühen sofort vergessen. Lassen wir uns ein Stückchen mitnehmen auf dieser Seereise!

Dank des Kajak lernt man viele entdeckenswerte Plätzchen in der Region Lugano kennen und kann sie aus einem anderen Blickwinkel sehen.

Bequem auf dem See sitzend, ein Paddelschlag nach dem anderen, fährt sie an einem kleinen Hafen vorbei, den es schon seit über 100 Jahren gibt. Dann an einer für diese Seeseite so typische cantine, ein Keller, einer der wenigen, der nicht in ein Grotto verwandelt wurde. Die Cantine di Gandria sind vor allem für ihre Grottos bekannt, die nur per See erreicht werden können und nur im Sommer geöffnet sind. Früher war diese Seite gegenüber Gandrias eben der kühle Vorratskeller der Einwohner des hübschen Fischerorts.

Bei ihrer Rundtour zeigt Eva hier auf eine steile felsige Wand, auf der man mit ein bisschen Geduld Gemsen sehen kann, dort auf den herrlichen Park mit Seeanstoss einer privaten Villa und schliesslich auf das Flussbett des Cassarate, der Fluss der quasi mitten in der Stadt Lugano in den See mündet.

Lugano vom See aus zu sehen, ist aussergewöhnlich schön, auch für jemanden der hier lebt. An Land ist es eine pulsierende, aktive Stadt, Shopping hier, Bars und Cafés dort, hellerleuchtet und quirlig. Vom See aus spiegelt sich Lugano im leicht wippenden See, ihr Klang ist gedämpft und ihre Lichter glitzern in den Wellen.

Fast surreal, aber schön. 

Pro tip
Einige der Kunstwerke Evas wurden für die Ausstellung im Carrousel du Louvre ausgewählt, organisiert von der Nationalen Gesellschaft der Schönen Künste Paris (SNBA).
Die Einwohner Gandrias wurden ‘Tor’ genannt, Stiere. Weil es in diesem stufenreichen Ort so viele Mühen kostete, sich fortzubewegen und er früher nur per See erreicht werden konnte.
Die traditionnelle Seedurchquerung (2.5 km) gibt es seit 1932 und hat sich zu einem beliebten Volksschwimmtag entpuppt. Die Strecke überquert den 46. Breitengrad, von Caprino bis zum Lido di Lugano.

«Frühmorgens und abends, das ist der beste Moment für eine Ausfahrt. Der See ist spiegelglatt, noch nicht aufgewühlt von den Motorbooten oder einer Brise, da ist die Natur noch entspannt.» Auch die Schwäne sind dann noch etwas relaxter, nicht selten kommen sie recht nah und mustern einen neugierig, aber gutmütig. Und dann überholen sie das Kajak, mit dieser eleganten Arroganz, die ihnen eigen ist.

Nur damit keine Zweifel aufkommen, wer hier auf dem See nun wirklich das Sagen hat. Alles klar?

«Ein Erlebnis völliger Ruhe und Harmonie auf dem Wasser.»

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