Geschichte: Walking im Schilf

Was tummelt sich im Schilfrohr am Lago Maggiore?

Ein erstaunliches Naturreservat nur wenige Schritte von Locarno entfernt

Fabrizia kam schon zum Schulausflug hierher. Sie beobachtete die Auenlandschaft mit ihren Kindern vom Strandbad in Magadino aus. Und jetzt entdeckt sie das Schilfrohr per Boot, begleitet von Marco. Die Bolle di Magadino sind sozusagen die Raststätte auf der Flugstrecke der Zugvögel, einzigartig und nur wenige Schritte von Locarno entfernt.

DAS IST

Fabrizia Girò, fasziniert vom Naturschutzgebiet Bolle di Magadino

Fabrizia Girò, fasziniert vom Naturschutzgebiet Bolle di Magadino
Ich liebe die Berge und Wandern. Seit 20 Jahren bin ich mit meiner Walkinggruppe dem Tessin auf der Spur.

«Seht ihr den Kleinen dort?! Ein Superstar hier in den Bolle: Die Sumpfzypresse. Eigentlich kommt dieser Baum von den Brissago-Inseln, wahrscheinlich haben die Wellen oder Vögel die Samen gebracht.» Die Erklärung des Bootsführers lassen das unscheinbare Bäumchen gleich in anderem Licht erstrahlen.

In diesem Feuchtgebiet erzählt jedes Detail eine Geschichte für sich und viele sind mit ungeschulten Augen gar nicht zu erkennen: Tarnung ist hier oberstes Gebot.

Fabrizia ist begeistert. Die Bolle kennt sie von jeher und recht gut und trotzdem entdeckt sie bei jedem Besuch etwas Neues.

Jetzt ist sie in Pension, aber als Kunstlehrerin der Mittelschule von Roveredo hat sie regelmässig die Schulausflüge hierher begleitet. Als ihre eigenen Kinder noch klein waren, kam sie oft in den Lido von Magadino, nur wenige Wellenlängen von den Bolle entfernt. Doch eine Führung per Ruderboot (und noch dazu gratis!) hat sie hier noch nie gemacht. So gut wie mit Marco Nussbaumer konnte sie die Vielzahl von Vogelnestern, raren Zugvögeln auf der Rast und die unberührte Natur noch nie erleben! Diesen Ausflug wird sie auch Freunden und Verwandten empfehlen.

Wie gesagt, hier hat alles eine Geschichte zu erzählen. Sogar das Ruderboot selbst. Es wurde ohne auch nur ein Tröpfchen Klebstoff gebaut, von einem jungen Basler, dessen Familie auch die Boote für das Schweizer Bundesheer herstellte.

Das Bolle-Boot wurde für einen absolut friedvollen Zweck vorgesehen und ist das einzige Gefährt, das in dieses geschützte und wertvolle Gebiet eindringen darf.

Hier tummeln sich Fische, Pflanzen, Insekten und fast 300 verschiedene Vogelarten, von welche einige aus Afrika stammen und hier gerne Pause machen und Kräfte tanken.

Die Bolle, seit 1974 Naturschutzgebiet und in der Obhut einer Stiftung, die zu diesem Zwecke gegründet wurde, sind sozusagen eine grosse Tankstelle für die Zugvögel.

Die vielen Insekten - manche davon gar nicht angenehm, wie man beim Herumspazieren an den Wasserkanälen merken wird - sind unerlässlicher Reiseproviant für unsere Flugfreunde, die sich hier gerne am Lago Maggiore auf einen Snack treffen.

Hier hat alles eine Geschichte zu erzählen. Sogar das Ruderboot selbst.

Fabrizia ist zwar keine passionierte Birdwatcherin, von denen ganz viele anzutreffen sind, aber trotzdem beobachtet sie aufmerksam den Schilfwald. Dabei entdeckt sie Schildkröten, Reiher, Haubentaucher, man weiss ja nie …

… Vielleicht befindet sich zwischen diesen gefiederten Freunden auch die berühmte Zwergdommel oder der Drosselrohrsänger?

Das Schilf hat einen ganz besonderen Charme, schon allein wegen seiner Farbenpracht. Es ist vor allem im südlichsten Teil der Bolle zu finden, wo der Flussboden des Ticino mit Sand und nicht mit Kies bedeckt ist.

Im Frühling erwacht ein wahrer Farbentanz zwischen dem trockenen und dem erblühenden Teil, eingerahmt vom blauen Himmel und den schneeweissen Bergspitzen.
Im Sommer sehen die Bolle grün: lebhaft und in allen denkbaren Nuancen, von seegrün über grasgrün bis himmelgrün, kaum zu glauben.
Das Farbenspiel im Herbst und die gedämpften Farben des Winters tun ihr übriges, um die besondere Atmosphäre zu untermalen.

Fabrizia geniesst die Stimmung in diesem friedvollen Plätzchen, aber nicht nur hier in den Bolle di Magadino. Auch in der Nähe von Gudo, bei dem kleinen, fast unbekannten See Demanio, schlängeln sich Spazierwege durch die Natur. Fabrizia hat sie mit ihrer Walkinggruppe entdeckt.

Sie liebt nämlich Wandern in all seinen Formen, in den Bergen und im Flachen. Seit 20 Jahren ist sie dem Tessin auf der Spur, mit ihre Walkinggruppe jeden Donnerstag oder wann sonst auch immer sich motivierte Mitwanderer finden. Auf und los!

Pro tip
In der Vergangenheit wurde das Schilfrohr auch als Baumaterial verwendet. Geschnitten, gebunden, mit Zement vermischt diente es zur Isolierung von Wänden und Dachböden.
Im Jahr 1888 begann der Dammbau des Flusses Ticino, der bis dahin seinen eigenen Lauf nahm. 1918 begann die Trockenlegung der Magadinoebene.
Nach verschiedensten wissenschaftlichen Recherchen ab dem Jahre 1994 wurde die internationale Bedeutung der Bolle di Magadino mit nur 8 weiteren Auenlandschaft der Schweiz bestätigt.

«Seht ihr den Kleinen dort?! Ein Superstar hier in den Bolle: Die Sumpfzypresse. Eigentlich kommt dieser Baum von den Brissago-Inseln.»

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Unsere Bootstour hier im Naturreservat geht zu Ende, es heisst aussteigen. Fabrizia ist nun erst richtig neugierig und prescht voraus in eine Art Bambuswäldchen, was ist das nur für ein Gestänge?

Ein erfahrener Begleiter wie Marco Nussbaumer oder ein schlaues Buch können hier bestimmt weiterhelfen.

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