Geschichte: Ein Holzzuber auf 1'870 Höhenmeter

Direkt unter dem Himmel die Bergwelt geniessen

Die Nacht in einer Tessiner Alphütte zu verbringen, ist ein unvergleichliches Erlebnis: Der Anblick der Unterkunft nach einer langen Wanderung, das erste wohlverdiente Getränk am grossen Steintisch, das Abendessen mit viel Polenta und noch mehr guter Laune. Dazu unzählige Sterne am klaren Nachthimmel. Und wenn das Morgenrot den Himmel entflammt, ist auch die Energie für die nächste Etappe wieder da.

Wir befinden uns auf 1'870 Höhenmetern am Ende des Bleniotals kurz hinter Olivone. Hier thront die Capanna Bovarina UTOE hoch über dem Tal und beschert einen Blick auf Campo Blenio und die Staumauer von Luzzone. Die Bergluft ist frisch und würzig, die Sonne strahlt.

DAS IST

Yvonne und Loris Sonzogni, Hüttenwarte der Capanna Bovarina UTOE

Yvonne und Loris Sonzogni, Hüttenwarte der Capanna Bovarina UTOE
Jetzt haben wir eine ideale Position: Die Hütte ist Rastplatz zwischen zwei Wanderstrecken. Wer hier ankommt, will sich erholen.

Als wir uns über den Wanderweg nähern, vorbei an Bäumen, Farn und Pilzen blicken uns schon die beiden Hüttenwarte entgegen. Die erfrischend fröhliche und herzliche Art des Paares macht es Besuchern leicht, sich sofort wohl zu fühlen. Dazu trägt auch das herrliche Panorama, die Ruhe und die enthusiastische Begrüssung durch Mia bei. Mia ist eine zehnjährige English Setter-Hündin, die ihre Besitzer von Beginn an auf der Hütte begleitet hat. Doch wie hat eigentlich alles angefangen?

Loris arbeitete ursprünglich für eine Versicherung, dann verlor er den Job. Ein harter Schlag. Doch auf den ersten Schock folgte die Idee: Ist nicht der Moment gekommen, seinen Lebenstraum zu verwirklichen? Ein Grotto oder ein Restaurant – oder sogar eine Alphütte?

Während Yvonne weiterhin in einem kleinen Laden in Prosito arbeitete, begann Loris im Jahr 2011 mit einer Reihe von Praktika in Alphütten in der ganzen Schweiz: in Schwyz, Wallis, Graubünden. Sein Ziel? Vor allem zu verstehen, welche Fehler im Umgang mit den Gästen nicht passieren dürfen. Denn eines war ihm klar: Die Menschen stehen im Mittelpunkt, nicht die Zahlen. Nach der Ausbildung ging es plötzlich ganz schnell.

«Am 12. Juni kam die Anfrage: Wollt ihr auf die Berghütte am Adula? Am 28. Juni haben wir angefangen. Es war verrückt.» Doch die Capanna habe vor der Schliessung gestanden. Es konnte also nur besser werden, wie sie lachend sagen.

Und ergänzen: «Es war gut, zu zweit zu sein.»

 

Nach drei Jahren wechselten sie die Talseite und zogen in die Hütte Bovarina UTOE oberhalb von Campo Blenio auf halber Strecke zwischen Ritom und der Capanna Scaletta.

 

«Jetzt haben wir eine ideale Position: Die Hütte ist Rastplatz zwischen zwei Wanderstrecken von jeweils rund 6 Stunden. Wer hier ankommt, will sich erholen.»

Ich bin im Restaurant aufgewachsen. Kochen und Zutaten aufeinander abzustimmen fand ich schon immer toll.

Es gibt viele Leute, die die Hütte gezielt zum Essen aufsuchen. Denn die Speisen sind vorzüglich.

Loris ist leidenschaftlicher Koch. Das verrät allein die stolze Art, wie er die Küchenschürze trägt. Pilze, Risotto, Spezzatino, Minestrone, Pasta und Polenta: traditionelle Speisen dürfen nicht fehlen.

 

 

Ein sehr beliebtes Gericht ist Polenta mit Lauch und Käse. Dabei lässt er den Käse und das Gemüse mit der heissen Polenta verschmelzen. Köstlich.

Die Speisen auf der Berghütte zeichnen sich nicht allein durch die Kochkunst aus: Loris und Yvonne sind zudem grosse Anhänger des 0 km-Konzepts. Alles, was sie auf der Hütte brauchen, versuchen sie im Bleniotal zu erwerben.

«Wir wollen einen Mehrwert für das Tal schaffen», erläutern sie.

Pro tip
Von Mai bis Oktober können Wanderer jeden Tag bei Yvonne und Loris für ein leckeres Mahl oder eine Übernachtung einkehren.
An Wochenenden der kalten Monate steht für die Abenteuerlustigen ein Holzzuber mit heissem Wasser im Freien bereit.
Die Capanna Bovarina liegt entlang der SchweizMobil-Routen für Mountainbiker, Wanderer und Schneeschuhwanderer.

Nicht nur die Menschen fühlen sich in der Capanna Bovarina wohl. Auch Tiere sind hier willkommen, egal ob es sich um Hunde oder Murmeltiere handelt. Oder Holzfiguren.

Gemeinsam hat das Paar in der Tat eine Leidenschaft, und zwar Hunde. Setter Mia gehört zur Familie und hat Yvonne und Loris in all den Jahren bei ihren Abenteuern begleitet.

 

Hinter der Hütte steht die Bar für Hunde, eine Wasserschüssel, an der die vierbeinigen Gäste ihren Durst löschen können.

«Eine Hundebar auf 1'870 Höhenmetern.»

INHALTE TEILEN

Obwohl das Paar im Sommer bis zu 16 Stunden arbeitet, sieben Tage die Woche, und die Arbeit nicht immer leicht ist, hat es seine warmherzige und ausgeglichene Art nie verloren.

 

 

Unterstützung erhält es von zwei weiteren Personen, Anna und Patrizia.

Doch das wahre Erfolgsgeheimnis ist die innere Ruhe und Gelassenheit. Vor einigen Jahren haben sie auch Yoga-Treffen organisiert, draussen an einer Bank, perfekt gelegen für den Sonnengruss. Ein magischer Ort?

Das werden wir Yvonne und Loris beim nächsten Besuch fragen. Jetzt heisst es erst einmal Bettruhe. Um 22 Uhr gehen die Lichter aus. Morgen erwartet uns noch eine beachtliche Wanderstrecke quer durch das Tessin.

 

DIE GANZE GESCHICHTE


Geschichten

ZUR NÄCHSTEN GESCHICHTE