Geschichte: Ticino on the rocks

Madame Bovary, Popeye und Wolverine in Chironico

Die Tessiner Täler sind ein Paradies für Boulderer. In den Wäldern um Cresciano, Chironico, Brione Verzasca oder am Gotthardpass kann es leicht passieren, jemanden mit einer Matratze am Rücken herumlaufen zu sehen. Wozu bloss?

Auf Probleme verzichtet man eigentlich gerne. Anders beim Bouldern. Je mehr es davon gibt, desto besser. Sich mit Anja, Diego, Enea und Claudio zu unterhalten, ist anfangs verwirrend. Die Sätze erscheinen unverständlich. Doch das ändert sich schnell. Ihr Enthusiasmus ist ansteckend. Schon bald überkommt einen das Bedürfnis, einen Felsblock zu suchen und hochzuklettern. Chironico, Cresciano, Brione Verzasca und generell die Täler sind dafür die idealen Orte. Das Tessin ist ein wahres Boulder-Paradies.

DAS IST

Claudio Cameroni, Pionier beim Bouldern im Tessin

Claudio Cameroni, Pionier beim Bouldern im Tessin
Mit Magnesia an den Händen und Wachs auf den Fingern: Beim Bouldern wird der ganze Körper beansprucht.

DIE GANZE GESCHICHTE


Was ist Bouldern?

Entstanden ist diese Disziplin quasi aus Zufall zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Süden von Paris, im Waldgebiet Fontainebleu. Die Zone galt als ideales Trainingsgebiet zur Vorbereitung von Klettertouren auf alpine Berggipfel.

In den 1960er und 1970er Jahren entwickelte sich Bouldern zu einer eigenen Sportdisziplin. Seit rund 30 Jahren wird diese besondere Form des Kletterns auch im Tessin betrieben.

Die Region gilt als Paradies für den Sport. Anhänger kommen aus der ganzen Welt, um die Routen an den unzähligen Felsblöcken zu meistern.

Der Aufenthalt in der Natur, das Aufspüren geheimnisvoller Orte in einem Gebiet, in dem perfekte Felsblöcke unter Ahornbäumen und Birken versteckt liegen. Es wird sofort deutlich, was diesen Sport ausmacht.

Nicht zu unterschätzen ist auch die physische und mentale Herausforderung und der Kontakt zu den anderen Bouldern, die alle einer grossen Familie angehören.

Hast du den Delorean schon gemacht? Und den Border Line? Ich habe dort gehookt, einen Ägypter gemacht, später einen Dyno gewagt.

Der Laie versteht anfangs wenig von dem, was Claudio, Enea, Anja, und Diego sagen.

Boulderer haben ihre eigene Sprache, kryptisch, voller kurioser Namen (von Felsen und Touren) und schwer deutbarer Fachbegriffe.

Wenn Anja aber in Sekundenschnelle den Doctor Med Dent bezwingt, wird die Sache schon klarer.

Pro tip
Bei Regen fällt das Klettern aus? Sicher nicht! Es ist indoor möglich in den Hallen Alphaboulder in Giubiasco und Kletterzentrum Evolution in Taverne.
Mehr als 12’000 sind die Boulderer, die jährlich nach Chironico kommen.
Boulderer willkommen! In einigen Unterkünften in der Nähe der Natursporthallen steht ihnen Platz und Material zur Verfügung.

Schon immer liebte Claudio Cameroni die Berge. Und wenn er früher mit Verwandten und Freunden die Bergkämme aufstieg, waren es vor allem die schwierigen Passagen, die ihn anzogen. Stellen, bei denen er etwas wagen und ein wenig klettern musste.

Die Kletterpartie am Seil mit 17 Jahren war der logische nächste Schritt.

Über 20 Jahre lang bezwang Claudio mit Seil und Steigklemme Felswände auf der ganzen Welt.

Claudio liebt diesen Sport. Aus seiner Leidenschaft heraus hat er auch mehrere detaillierte Boulder-Führer verfasst, in denen alle wichtigen Informationen zu Felsen, Klettersteigen, Namen, GPS-Koordinaten und Schwierigkeitsgraden zusammenstellt sind. Der erste Band über Chironico und Sobrio erforderte drei Jahre Arbeit.

Ticino boulder

Auch die nachfolgende Generation hat das Bouldern für sich entdeckt. Claudios Söhne Diego und Giuliano lieben diesen Klettersport.

«Wer uns miteinander sprechen hört, hält uns für verrückt.»

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1, 2, 6A, 7B+, 8C: Allein die Klassifizierung der Probleme beweist, um was für eine klar gegliederte und durchstrukturierte Disziplin es sich heute handelt. Es ist nicht nur komplex, sondern auch äusserst schwierig.

 

Ein soziales Netzwerk rund ums Bouldern macht die versteckten Orte in den Wäldern der Leventina und in den anderen Tessiner Regionen international bekannt.

Die Zukunft des Sports im Tessin scheint gesichert. Eine Disziplin, die im Einklang mit dem Charakter der Region und ihrer Geschichte steht. Schliesslich wurden die Felsblöcke, die Diego, Enea und Anja bezwingen, vor über 11’000 Jahren durch einen Erdrutsch ins Tal gebracht.

Und den einen oder anderen hat Claudio zum Bouldern präpariert und mit kuriosem Namen versehen.

Eines ist sicher: Ab sofort betrachten wir Felsbrocken mit anderen Augen.

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