Geschichte: Natürliches Gleichgewicht

Mit dem Gespür für Pflanzen

In Val Mara setzt ein Familienunternehmen auf Bio und innovative Ideen

Biologischer Anbau und innovative Ideen zeichnen die Azienda Bianchi aus. Die Brüder Gabriele und Martino haben früh gelernt, Pflanzen zu lesen und sich die Kraft des Mondes zunutze zu machen. Mit einem Traditionsgetränk erobern sie die junge Gastro-Szene.

DAS IST

Gabriele und Martino Bianchi, Geschäftsführer von Azienda Agricola Bianchi

Gabriele und Martino Bianchi, Geschäftsführer von Azienda Agricola Bianchi
Der Sambì ist eine Tradition des Mendrisiotto, die drohte, in Vergessenheit zu geraten.

In einem familiengeführten Betrieb hat jedes Mitglied des Haushaltes eine fest zugeschriebene Aufgabe. Die Gänse, die im Wassertrog Abkühlung von der Hitze des Tages suchen, bilden da keine Ausnahme. «Sie halten das Gras unter den Weinreben kurz», sagt Martino Bianchi, ein junger Winzer, der gemeinsam mit seinem Bruder Gabriele die Azienda führt. Auch Hühner leben im Garten. 4 Schafe grasen die Weiden ab. Bienen sammeln an 5 verschiedenen Standorten Honig.  

DIE GANZE GESCHICHTE


Die enge Verbundenheit mit der Natur, den Tieren und den angebauten Produkten ist das Grundprinzip des Weinguts, das in Arogno am Hang liegt, im Val Mara, einem idyllischen kleinen Seitental unweit des Lago di Lugano. Gegründet wurde der Bio-Agrarbetrieb im Jahr 1998 von Marcy und Alberto Bianchi, die auch heute noch mithelfen. Beide Söhne kümmern sich inzwischen Vollzeit um den Betrieb. Wein, Grappa und Honig gehören zu den Spezialitäten der Bianchi. Zudem gelang den Brüdern die Kunst, mit einem alten Rezept der Nonna die Tessiner Gastro- und Nightlifeszene zu erobern. 

«Sambì heisst unser Drink aus fermentierten Holunderblüten mit 4.2 Promille Alkohol», sagt Gabriele, der als Önologe für die technische Herstellung zuständig ist. Vor allem bei jungen Leuten sei der prickelnde, süsse Drink beliebt und könne pur, aber auch als Mixgetränk genossen werden. Was als Projekt begann, um eine Tradition aus dem Mendrisiotto zu bewahren, wurde zum wirtschaftlichen Standbein: «30'000 Flaschen produzieren wir im Jahr.»

Die Ernte der weissen Holunderblüten erfolgt im Mai und Juni. Die Blüten kommen anschliessend in grosse Kessel und werden mit Wasser, Zucker und Zitronensaft aufgefüllt. Das Gemisch muss dann 2 Wochen lang ziehen, bevor der Saft gefiltert und zur weiteren Fermentierung in Flaschen abgefüllt wird.  
 

Familienbetrieb bedeutet allem, was man macht, einen hohen Wert zuzusprechen. Jedes Produkt geht durch unsere Hand.

Nicht nur Holunder, sondern auch Weinreben, Olivenhaine und diverse Obstbäume umgeben die Azienda und das Wohnhaus der Familie. Gabriele zupft die Ranken einer Americana-Traube von der Pergola, die Schatten spendet für Apéro und Degustationen. Die Standorte der verschiedenen Weinsorten seien den jeweiligen Bedürfnissen der Reben angepasst. Schon seit 1998 ist der Betrieb biozertifiziert. «Es geht uns um Gesundheit, Qualität und Verantwortung. So geben wir dem Tal etwas zurück und fördern die Artenvielfalt.» Dass nachhaltiger Anbau aufwendiger als konventioneller sei, würden sie in Kauf nehmen.

Pro tip
Der Holunder ist eine Pflanze, die für ihre zahlreichen Eigenschaften bekannt ist, und nichts wird verschwendet: Blüten, Blätter, Rinde und Früchte werden für Sirup und Marmeladen verwendet.
Die Azienda Agricola Bianchi
legt grossen Wert auf Transparenz und zeigt dies mit einer Vielzahl von Angeboten: Verkostungen und Einblicke in den ökologischen Landbau, Besichtigungen des Gutes und pädagogische Aktivitäten mit Bienen.
Wussten Sie, dass das Val Mara seinen Namen von dem Bach hat, der dem Monte Sighignola entspringt und der ideale Ausgangspunkt für anspruchsvollere Wanderungen zum Monte Generoso ist?

Zweifel hinsichtlich der Berufswahl gab es bei den Brüdern dennoch nie. Das bestätigt Martino, der mit 20 Jahren seine Ausbildung als Winzer abschloss und seitdem für die Arbeiten im Weinberg verantwortlich ist. Die Arbeitsaufteilung der Geschwister habe sich früh angedeutet. «Gabriele war schon immer Experte für Gerüche. Wenn wir als Kinder zur Nonna gingen, wusste er schon aufgrund des Duftes ganz genau, was es zu essen gibt.» Als Önologe ist Gabriele heute für die Weinherstellung verantwortlich – und damit für Geschmack und Qualität. 
 

Tradition schliesst Innovation nicht aus. Das beweist das Familienunternehmen mit immer neuen Ideen. Dazu gehört auch ein ganz exklusives Produkt, das nicht im Handel, sondern limitiert nur im Weingut erhältlich ist: der Marà del Lago. Dieser korallenrosa Sekt reift jeweils für ein Jahr 20 Meter tief im Lago di Lugano. Doch auch ihr Gesamtkonzept des nachhaltigen Anbaus optimieren sie Schritt für Schritt. «Wir legen die Messlatte immer höher», sagt Gabriele. Es ist fast wörtlich zu verstehen, setzen sie doch auf die Unterstützung von Himmelskörpern.

Arogno, Val Mara

Neben Achtung der charakteristischen Eigenschaften von Pflanzen und Tieren gehöre auch das Befolgen des Mondkalenders dazu. Der positive Effekt sei messbar.

Arogno, Val Mara

«Bioanbau bedeutet, Pflanzen und Situationen lesen zu können und sich anzupassen.»

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