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Die Tessiner Weine

Ist die Geschichte des Merlot erst hundert Jahre alt, war die Rebe ein paar Jahrhundert vor Christi Geburt in dieser Region, dem heutigen Tessin, heimisch. Der Beweis dafür war geliefert, als man 1986 in Arcegno ein römisches Grab freilegte und in der Wegzehrung, die man dem Toten mit auf die Reise ins Jenseits gegeben hatte, Traubenkerne fand.

Die wahre Entwicklung der Weinbau begann am Anfang des zwanzigstes Jahrhundert Seinen Höhepunkt erreicht der Weinbau um die Wende vom neunzehnten zum zwanzigsten Jahrhundert, also nur wenige Jahre nachdem die Reblaus, die schrecklichste aller Rebkrankheiten, den Weinbergen Europas den Garaus gemacht hatte. 1907 unternahm man in Mendrisio den Versuch, amerikanische Wurzelstöcke mit Reisern, die man aus der französischen Guyenne eingeführten Rebstöcken der Sorte Merlot entnommen hatte, zu pfropfen. Das Ergebnis waren 12 000 Stecklinge, die den Neubeginn des Tessiner Weinbaus einleiteten. Die Rebfläche mass 8 000 Hektaren (heutzutage ein bisschen mehr als 1.000), die 7 Millionen Liter Wein ergaben. Die erste Ernte, über die Buch geführt wurde, ist die von 1945. Sie ergab 5 Millionen Kilo Trauben. 1948 wird für die Weine des Jahrgangs 1947 das Gütesiegel „Viti“ geschaffen, das es auch heute noch gibt und das vom Kanton, dem ersten Kontrollorgan der Tessiner Weinproduktion, verwaltet wird.

Die Trauben werden gegen Mitte September reif, mit mittelgrossen, kugelrunden Beeren und einer blau-schwarzen Farbe. Ihre Vinifizierung ergibt einen ziemlich intensiven, rubinroten, ausgeglichenen, vollen Wein mit einer eleganten Efeunote. Der Geschmack ist trocken, mit einem angenehmen, leicht bitteren Abgang.

Dank seiner Struktur passt der Merlot ideal zu Minestrone, gegrilltem Fleisch, Hauptgängen ganz allgemein und gut gelagertem, aber nicht allzu würzigem Käse. Er eignet sich für die Reifung in kleinen Eichenfässern und für eine nicht zu lange Lagerung (4-6 Jahre). Serviert wird er in weiten Gläsern und mit 16°-18° C. Im ganzen Tessin werden folgende Rebsorten (in der Reihenfolge ihrer Bedeutung) angebaut: Merlot (83%), rote Americana, Chardonnay, Bondola, Pinot Noir. 8% entfallen auf ungefähr 20 blaue und weisse Traubensorten.


Seit 1997 erhält der Merlot del Ticino die Bezeichnung D.O.C. denominazione di origine controllata -, eine Anerkennung für die Herstellung und die Qualität der Weine.