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Die Burgen von Bellinzona

Verkehrsverbindungen durch die Alpen waren seit jeher von grosser strategischer Bedeutung. In Bellinzona treffen gleich mehrere Passrouten auf engstem Raum zusammen - ein idealer Ort zur Kontrolle des Transitverkehrs.

Die Wehranlagen von Bellinzona mit den Burgen Castelgrande, Montebello und Sasso Corbaro sowie deren Festungsmauern haben ihren Ursprung in der Altsteinzeit und waren seither gleichermassen nördliche Grenze der Po-Ebene und südliche Bastion der Alpentäler.

Der Sperrriegel sollte einst den anstürmenden Eidgenossen die Expansion nach Süden versperren. Doch 1503 tauschte Bellinzona die Mailänder Herrschaft freiwillig gegen jene der Eidgenossen ein, worauf das Wehrsystem gegen Süden und gegen Mailand gekehrt wurde.

Heute ist das Bollwerk der bedeutendste Zeuge der mittelalterlichen Befestigungsbaukunst im Alpenraum. Im Jahr 2000 wurden die Burgen von Bellinzona von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Castelgrande
Auf einem Hügel errichtet, bot die älteste der drei Burgen den umliegenden Siedlungen Schutz und Sicherheit. Gregor von Tours erwähnte bereits 590 ein „Castrum“ an dieser Stelle. Während den Kämpfen zwischen Franken und Langobarden nahm diese Festung eine strategische Schlüsselstellung ein. Ab 1503 diente sie als Sitz der eidgenössischen Landvögte von Uri.

Der Kern der weitläufigen Anlage mit Ringmauer, Türmen, Wohngebäuden, Höfen und ehemals drei Kirchen stammt aus dem 13. Jahrhundert. Zwischen 1486 und 1489 wurde das Castel von der Mailänder Familie Sforza erweitert, um die aus dem Norden anrückenden Eidgenossen abzuwehren. Von den mittelalterlichen Bauten blieben die Torre Nera und die Torre Bianca erhalten.

Das zwischen 1982 und 1992 restaurierte Castelgrande kann man heute mit einem Aufzug erreichen, der von der Piazza del Sole zur Burg hinaufführt. Federführend bei der Restauration war der Architekt Aurelio Galfetti, der modernste Baukunst mit mittelalterlicher Wehrhaftigkeit zu einer „Akropolis des Lichts“ verband.

Das Haupttor befand sich ursprünglich im Südostabschnitt der Ringmauer. Man erreicht es von der Altstadt aus durch steile, reizvolle Gassen. Die schöne Aussicht auf die Stadt, die beiden anderen Burgen sowie die umliegenden Berge lohnen die Mühsal des Aufstieges.

Montebello Burg
Erwähnt wurde diese mittlere Festung erstmals 1313, doch der Kernbau wurde wohl bereits gegen Ende des 13. Jahrhunderts errichtet – also in jener Zeit, in welcher der Gotthard dank der Eröffnung des Säumerweges durch die Schöllenen-Schlucht zum wichtigsten Alpenübergang avancierte.

Zwischen 1462 und 1490 wurde das Castello di Montebello in seiner heutigen Form ausgebaut und befestigt. Hier residierten vom 16. bis 18. Jahrhundert die Landvögte von Schwyz. Im 19. Jahrhundert drohte der gewaltige Komplex zu verfallen, doch ab 1903 begann man mit der Sanierung und Wiederherstellung des historischen Bauwerks. Heute wirkt Montebello in seiner zauberhaften Umgebung wie eine Märchenburg.

Sasso Corbaro Burg
Die höchstgelegene, wie ein Adlerhorst über der Stadt thronende Burg Sasso Corbaro ist die kleinste und die jüngste der drei Burgen der Stadt. Die Sforza liessen sie an der Stelle eines Turms nach ihrer Niederlage bei Giornico (1478) in aller Eile bauen, um den expandierenden Eidgenossen den Weg talwärts zu versperren. Ohne Erfolg, wie die Geschichte lehrt.

Heute ist im Castello di Sasso Corbaro das Museo dell’Arte e delle Tradizioni Populari del Ticino untergebracht. Tessiner Volkskunst, Zeugnisse aus dem Alltagsleben der Bergbauern, Trachten und Beispiele ihrer Frömmigkeit werden hier gezeigt. Einzigartig ist der Blick von der Terrasse des Castello auf die Stadt, die beiden Schwesterburgen und die Umgebung.

Literaturtipp:
Riviera, Bellinzona und Umgebung. Wege der Vergangenheit. Streifzüge durch Geschichte und Archäologie des Kantons Tessin, hrsg. von der Associazione Archeologica Ticinese, ca. CHF 8.-. Bestellungen an [email protected]

Das Züglein der Burgen
World Wonders Project

Eigenschaften

  • STRUKTUR Geeignet für Familien

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